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Fotografisches Sehen lernen: 4 Seh-Übungen

Aktualisiert: 2. Nov. 2021

Was ist der fotografische Blick? Dabei geht es darum, ein ästhetisches Gespür zu haben, ein Motiv oder eine Szenerie aussagekräftig abzulichten.

Manch einer würde sagen, dass es sich hier um ein Talent handelt, dass man in die Wiege gelegt bekommt, oder eben nicht. Aber dieses Sehen, kann man durchaus lernen. Und mit der Zeit wird man immer besser darin, fotografierenswerte Dinge zu sehen. Dazu ist nicht nur das Motiv wichtig, sondern z.B. auch ein Blickwinkel für stimmungsvolle Bildgestaltungen.


Also zunächst geht es erst einmal darum, bewusst zu "sehen". Dazu braucht man auch nicht zwingend eine Kamera. Denn mann kann auch im Alltag seinen fotografischen Blick üben. An jedem Ort und zu jeder Zeit.

Auf diese Aspekte kommt es an:

  1. Motiv

  2. Licht

  3. Farben

  4. Bildschnitt


1. Motiv

Kennst du die Situation, dass jemand zu dir sagt: "Das hätte man fotografieren sollen."?

Doch was ist damit eigentlich gemeint?


Meistens geht es darum, eine bestimmte Situation, einen besonderen Moment oder eine Kulisse festhalten möchte. Sodass man sich visuell immer wieder in die Situation oder den Ort zurück versetzen kann.


Ein einzigartiger Moment ist z.B. immer wieder eine Hochzeit. Die Bilder helfen dabei, den Tag auch in 50 Jahren noch einmal durchleben zu können.

Eine Kulisse könnte eine wundervolle Landschaft auf Reisen sein. Doch auch Personen lassen sich gerne alleine oder mit den Liebsten porträtieren.


All das sind Momente, wo auch ein Nicht-Fotograf sagen würde: Das muss festgehalten werden.


Doch was sieht denn nun das geschulte Auge eines Fotografen?

Gerade scheinbar einfache Gegebenheiten offenbaren für einen kreativen Menschen wahrlich schöne Motive. Also gerade die kleinen Details, erzählen komplette Geschichten und zeigt man dem Kunden diese Fotos anschließend, sind Leute oft gerade zu begeistert, weil sie es selbst übersehen haben.

In der Tierfotografie bediene ich mich gerne an den Detail, wie der Mähne eines Pferdes, seinen Ohren oder Nüstern.


Und hier fängt der fotografische Blick an. Sowohl ein Auge für das große Ganze, als auch für die kleinen Momente und Details zu haben. Nicht nur das offensichtlich Schöne unzensiert fotografieren.


Das ist eigentlich auch der komplette Reiz an der Fotografie. Anderen Menschen den eigenen Blickwinkel präsentieren. Und sie damit zum Staunen zu bringen.

Andere zu beeindrucken, ist natürlich nicht das einzige und primäre Ziel eines Fotografen. Aber ich finde es dennoch immer wieder schön, wie andere Personen auf den eigenen Blick reagieren. Und man selbst genießt natürlich ebenso den Prozess, anders zu sehen und seinen Blick zu entwickeln.

Ein Foto zeigt 50% den Bildinhalt und zu 50% den Fotografen selbst.

Entwickle also zunächst ein Gespür dafür, was überhaupt sehens- und fotografierenswert ist. Aber auch was nicht. Und deinen Blickwinkel zeigen kannst. Und später daraus eine Geschichte erzählst.


2. Licht

Ohne Licht, kein Foto! - Die Fotografie ist das Malen mit Licht.


Lichtsituationen zu erkennen und für sein Foto optimal zu nutzen, ist ebenfalls eine Übungssache und wesentlicher Bestandteil in der Fotografie.

Egal ob früh der Sonnenaufgang den Frühstückstisch erhellt, hartes Mittagslicht interessante Schatten auf den Asphalt wirft oder das Gesicht vom Gegenüber in einem undefinierbarem Licht im Supermarkt erscheint. Dies sind alles Situationen, die du genau beobachten kannst und dir überlegen, wie sie auf einem Foto wirken.


Achte ab jetzt immer aktiv darauf, wie das Licht wirkt.

Auch wenn man sich anfangs etwas schwer tut – wichtig ist, dass man anfängt. Fang damit an, Licht bewusst wahrzunehmen. Fang damit an, weiches Fensterlicht oder verrückte Schattenspiele zu erkennen. Oder zu sehen, wie Licht in verschiedenen Situationen ins Gesicht von anderen Personen fällt.

Egal, ob es nun gut oder schlecht aussieht – es ist immer unterschiedlich und lässt dich dein Auge trainieren.





3. Farben

Die Bildstimmung wird durch Farben definiert. Was auch später in der Nachbearbeitung entscheidend ist. Kalte Farben können oft trist oder traurig wirken, während warme Farben herzhaft und lebendig sind. Bei unserer Alltagsübung zum Thema Sehen wollen wir vor allem auf Farbkontraste achten.


Manchmal kann man in der Natur geniale Farbkontraste sehen (oder auch nicht...).

Dabei gibt es zum einen den Komplementärkontrast oder den Farbe-An-Sich-Kontrast.

Damit kann man später auch gezielte Effekte verursachen. Ein klassisches Beispiel ist dabei wohl der gelbe Regenmantel. Dieser lässt eine Person vor grünem Hintergrund herausstechen.


Also schaue genauer hin, welche Farben passen harmonisch zusammen oder ergeben einen interessanten Kontrast, der wiederum die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich zieht.


4. Bildschnitt

Einem Foto im Nachhinein den richtigen Schnitt zu verpassen, ist ein wichtiges Gestaltungsmittel.


Eines der wichtigsten Gründe auf einen wohlüberlegten Bildschnitt zu achten, ist zum Beispiel die Steigerung der Bildaussage oder auch die manipulative Lenkung des Betrachters. Auch für die Bildharmonie gibt es einige Grundregeln, die man beherzigen sollte. Andererseits kann es wiederum interessante Ergebnisse bringen, beim Bildbeschnitt absichtlich dagegen zu verstoßen. Dann aber sollte der Regelverstoß nicht nur ein bisschen sein, sondern ganz massiv.

Es gibt einige Bildschnitt-Regeln, aber ich habe hier mal 2 derjenigen ausgewählt, die am häufigsten gebrauch finden.


Die Drittel-Regel

Harmonie-Prinzip

Die Drittel-Regel ist eine Gestaltungsmöglichkeit, die sich von der Proportionslehre des Goldenen Schnitts ableitet.



Der Goldene Schnitt

Der absolute Klassiker. Er wird unbewusst vom Betrachter als besonders harmonisch wahrgenommen.

Es wird darauf geachtet, dass die wesentlichen Dinge des Bildes durch die "Harmonielinien" verlaufen. Wie hier z.B. die Augen, an der oberen Harmonie-Linie gesetzt sind, und die Köpfe der beiden ungefähr auf den senkrechten Linien liegen.


Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen - das heißt, jeder fängt einmal an. Und es kann durchaus hilfreich sein, von erfahrenen Fotografen zu lernen. Daher such dir einen Fotografen, dessen Bildstil du toll findest, und lasse dich von ihm coachen. So lernst du schnell, deinen Blick zu schulen und beeindruckende Bilder zu zaubern.



 
 
 

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